Plansee-Gruppe setzt auf noch mehr Innovation und Flexibilität

Mit Strukturanpassungen sowie Maßnahmen zur Erhöhung der Liquidität und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit hat die Plansee-Gruppe auf den durch die weltweite Wirtschaftskrise ausgelösten Geschäftsrückgang reagiert. Der Gruppenumsatz sank um 22 Prozent auf 852 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote stieg auf 47 Prozent. Insgesamt sieht sich die Unternehmensgruppe für die Herausforderungen der Zukunft gut gerüstet. Dabei setzt Plansee auf noch mehr Innovation und Arbeitszeitflexibilität.

Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise hatten die Plansee-Gruppe bereits im Herbst 2008 mit deutlichen Geschäftsrückgängen erfasst. „Während das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2009/10 von einem niedrigen Geschäftsniveau in nahezu allen Marktsegmenten geprägt war, zeichnete sich im zweiten Halbjahr eine Trendwende ab“, sagte Dr. Michael Schwarzkopf, Vorstandsvorsitzender der Plansee-Gruppe bei der Bilanzpressekonferenz in Reutte. Geschäftseinbrüche von zeitweise mehr als 50 Prozent in einzelnen Arbeitsgebieten führten im abgelaufenen Geschäftsjahr (Stichtag 28. Februar 2010) zu einem Rückgang des konsolidierten Gruppenumsatzes um 22 Prozent auf 852 Millionen Euro. Im Jahr zuvor hatte der Umsatz noch 1,1 Milliarden Euro betragen. „Alle Maßnahmen in der schwierigsten Geschäftssitua-tion der fast 90-jährigen Unternehmensgeschichte zielten darauf ab, die Zukunftsfähigkeit der Plansee-Gruppe in vollem Umfang zu erhalten und unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken“, so Dr. Schwarzkopf.
Der Fokus der Aktivitäten lag darauf, die Nettoliquidität der Gruppe durch die Reduzierung von Kosten und Working Capital zu stärken, die Gesamtkosten an das niedrigere Geschäftsniveau anzupassen und das Produktions- und Vertriebsnetz weltweit weiter zu optimieren. Alle Strukturmaßnahmen hatten das Ziel, durch kürzere Durchlaufzeiten und einer rascheren Markteinführung von Neuprodukten noch wettbewerbsfähiger zu werden und Prozesse aus Kundensicht zu optimieren.

Plansee weiterhin attraktiver Arbeitgeber
„Mit überwiegend sanften Maßnahmen zur Personalanpassung ist es uns zudem gelungen, unsere Attraktivität als Arbeitgeber im Krisenjahr zu erhalten“, erläuterte Dr. Schwarzkopf. Man habe bestehende Flexibilisierungsmöglichkeiten umfassend genutzt. Am Standort Breitenwang/Reutte in Österreich zählten dazu der Abbau von Urlaub, Überstunden und Leiharbeitern sowie Angebote zur Bildungskarenz und die Gründung einer Arbeitsstiftung für 70 Mitarbeiter. Die Mitarbeiterzahl sank auf 6.000 Beschäftigte (im Vorjahr 6.350).
Im Rahmen des konsequenten Liquiditätsmanagements hat die Plansee-Gruppe im vergangenen Geschäftsjahr auch ihr Investitionsbudget deutlich zurückgefahren. „Mit Investitionen von 400 Millionen Euro in den Jahren 2006 bis 2008 haben wir uns technologisch hervorragend aufgestellt – so konnten wir uns im abgelaufenen Jahr auf Investitionen beschränken, die unverzichtbar waren oder zu sofortigen Umsätzen geführt haben“, sagte Dr. Schwarzkopf. Das Investitionsvolumen betrug 39 Millionen Euro.
Auf unverändert hohem Niveau blieben die Innovationsaufwendungen mit 27 Millionen Euro oder 3,2 Prozent des Umsatzes. „Die Krise hat gezeigt: Produkte, die jünger als fünf Jahre sind, waren von Umsatzrückgängen viel weniger betroffen – ein klarer Hinweis darauf, dass unsere Strategie zur Forcierung des Neuproduktanteils richtig ist.“ Derzeit liegt der Neuproduktanteil bei 30 Prozent des Umsatzes und soll weiter gesteigert werden. Wachstumsmärkte sieht Dr. Schwarzkopf in Branchen wie der Energietechnik, der Unterhaltungselektronik, der Lichtindustrie sowie dem Bergbau.

PMG 100-Prozent-Tochter der Plansee-Gruppe
Wie bereits berichtet hat die Plansee-Gruppe im abgelaufenen Geschäftsjahr ihr Joint-Venture mit Mitsubishi Materials im Bereich der Sinterstahlaktivitäten zum 1. Dezember 2009 beendet. Beide Unternehmen wollten durch die Trennung rascher auf die Herausforderungen der globalen Wirtschaftskrise reagieren. Gemeinsame Technologien und Patente werden weiterhin von beiden Unternehmen genutzt. Dr. Michael Schwarzkopf: „Mittlerweile haben wir PMG erfolgreich restrukturiert. Nun stellen wir uns die Frage, ob PMG in einer globaleren Aufstellung in Zukunft nicht noch erfolgreicher agieren könnte.“

Ausblick
Die Plansee-Gruppe ist für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet, zeigt sich Dr. Schwarzkopf überzeugt: „Wir erzielen 80 Prozent unserer Umsätze in Arbeitsgebieten, in denen wir unter den Top 3-Anbietern weltweit sind.“
Wesentliche Faktoren für die Geschäftsentwicklung im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres waren die gestiegene Nachfrage bei Industriekunden, Produkte für neue Wachstumsmärkte sowie Marktanteilsgewinne. Dies führte für alle Unternehmen der Plansee-Gruppe zu einem positiven Wachstumstrend.
Für das Geschäftsjahr 2010/11 insgesamt rechnet Dr. Schwarzkopf mit deutlich besseren Geschäftsziffern als im vergangenen Jahr, warnt allerdings vor Euphorie: „Angesichts der instabilen politischen und wirtschaftlichen Situation weltweit agieren wir vorsichtig und setzen auf eine weitere Flexibilisierung unserer Organisation, um in Zukunft noch rascher auf ein verändertes Nachfrageverhalten reagieren zu können.“
Ein Investitionsschwerpunkt im laufenden Geschäftsjahr ist eine neue Produktionslinie in Towanda/Pennsylvania. Dort sollen Komponenten für Hochtemperatur-Brennstoffzellen hergestellt werden. Darüber hinaus steht die Inbetriebnahme eines neuen Werks für Automobilkomponenten in Shanghai/China auf der Agenda.
Um weiter von der dynamischen Entwicklung in China und Indien zu profitieren, kündigte Schwarzkopf ein verstärktes Engagement in Asien an, entweder aus eigener Kraft oder durch Übernahmen. Zudem seien weitere Schritte zur Sicherung der Rohstoffversorgung in Vorbereitung.

Die Plansee-Gruppe
Die Plansee-Gruppe erzielte im Geschäftsjahr 2009/10 mit 6.000 Mitarbeitern einen konsolidierten Umsatz von 852 Millionen Euro.
Das Geschäftsjahr endet mit dem letzten Februartag.