Von Berlin nach Tirol und in die Welt

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts war die Pulvermetallurgie eine noch junge Disziplin. Einer ihrer Pioniere, Dr. Paul Schwarzkopf, entwickelte ein Verfahren zur industriellen Produktion von Glühfäden für Glühbirnen und war Mitbegründer der „Deutschen Glühfadenfabrik“ in Berlin. Fernab der pulsierenden Metropole gründete er am 24. Juni 1921 die Metallwerk Plansee GmbH im Außerfern in Tirol. In der ländlichen Idylle entwickelte sich der Betrieb bald zu einem Unternehmen von Weltruf. Mit Fokus auf die Werkstoffe Molybdän und Wolfram steuert die Plansee Group heute vom Stammsitz aus 50 Produktionsstandorte. Weltweit arbeiten mehr als 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Unternehmensgruppe.


Dr. Paul Schwarzkopf, Gründer von Plansee

100 Jahre Pulverzauber und Metallurgenkunst
Paul Schwarzkopf kann getrost als Alchimist der Moderne bezeichnet werden. Der Chemiker und Doktor der technischen Wissenschaften war ein umtriebiger Entrepreneur und Erfinder, der das Potential der beiden Werkstoffe Molybdän und Wolfram früh erkannte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat er ein Verfahren zur industriellen Produktion von Glühfäden aus Wolframdraht entwickelt. 1909 war Paul Schwarzkopf Mitbegründer der „Deutschen Glühfadenfabrik“ in Berlin, 1920 folgte die „Naamlooze Vennootschap Vereenigte Draadfabricken“ (N.V.V.D.) in Nijmwegen in den Niederlanden. Doch die Nachfrage nach elektrischem Licht und damit nach Glühfaden war enorm und der Unternehmer auf der Suche nach einem günstigeren Produktionsstandort mit ausreichender Wasserkraft. Am Plansee wurde er fündig. Gemeinsam mit seinem Finanzpartner Richard Kurtz gründet Paul Schwarzkopf am 24. Juni 1921 die Metallwerk Plansee GmbH und startet 1922 mit 15 Mitarbeitern die industrielle Fertigung von Produkten aus Molybdän und Wolfram.

Neben der Fadenproduktion für Glühlampen kommen bald weitere Komponenten für andere Anwendungsbereiche hinzu. Beispielsweise für die Autoindustrie – 1925 platziert der amerikanische Industrielle Henry Ford den ersten Großauftrag über Kontaktplättchen aus Wolfram. Auch Anoden für Röntgengeräte gehören zu den ersten Produkten des jungen Unternehmens. Früh erkennt der Unternehmensgründer Paul Schwarzkopf das Potenzial der Werkstoffe Molybdän und Wolfram und bringt dies deutlich in seiner Vision zum Ausdruck: „Unsere Metalle treiben Maschinen an, bringen Licht in unsere Häuser, übertragen Wort und Bild über große Entfernungen und leisten tausend andere nützliche und wichtige Dienste“.

1000 andere nützliche Dienste
Heute macht die Plansee Group mit mehr als 75.000 Produkten das Leben sicher, fortschrittlich, mobil und digital. U.a. mit Komponenten für Energieübertragung und Medizintechnik, Unterhaltungselektronik, die Halbleiterfertigung, die Baubranche sowie den Straßen-, Schienen- und Luftverkehr. So „verstecken“ sich Komponenten von Plansee in vielen Produkten des täglichen Bedarfs wie Smartphones, Tablets und Computern, in Hightechgeräten wie Computertomographen, aber auch in Luxusgütern wie hochwertigen Chronographen.

Starke Metalle für eine bessere Zukunft
„Das Wesen von Plansee liegt in der Fähigkeit zur Metamorphose. Seit 100 Jahren bauen wir unseren Kunden immer wieder Brücken in neue Anwendungswelten und dabei verwandeln wir uns mit“, kommentiert Vorstand Wolfgang Köck die stetige Weiterentwicklung der Produktpalette in der 100-jährigen Unternehmensgeschichte, die bis heute das Selbstverständnis der Plansee Group prägt.

Der nächste Wandel hat längst begonnen. Im Zuge der Digitalisierung „liegen die neuen Herausforderungen darin, Teil hochkomplexer, weltweiter Wertschöpfungsketten zu werden und jedes Produkt zum genau definierten Zeitpunkt in der richtigen Menge, Qualität und in einer bestimmten Region zu produzieren und zu liefern“, ergänzt Vorstandssprecher Karlheinz Wex. Produktion, Vertrieb, Logistikabläufe und alle administrativen Bereiche werden dafür laufend optimiert.

Unternehmertum mit starken Werten
In der 100-jährigen Unternehmensgeschichte geben Mission und Werte Halt und Orientierung. Der Werte-Kanon setzt auf Beständigkeit in der Unternehmenskultur und gleichzeitig auf die Fähigkeit zur Veränderung. Um auf dem Weltmarkt bestehen zu können, müssen sich das Unternehmen und die Mitarbeiter den aktuellen Herausforderungen anpassen und mit den Veränderungen wachsen. Dabei wird wie jeher die Aus- und Weiterbildung groß geschrieben und Mitarbeiter mit Eigeninitiative und Mitverantwortung in die Arbeitsprozesse eingebunden. Um kontinuierlich Spitzenleistungen in der Pulvermetallurgie zu erbringen, wird seit Generationen ein Großteil der Gewinne in Infrastruktur, Anlagen, Technologien und die Entwicklung neuer Produkte reinvestiert.

Das Kraftzentrum am Plansee
So offen die Zukunft auch sein mag, ist eines gewiss: auch in Zukunft wird die internationale Unternehmensgruppe vom Stammsitz in Reutte gesteuert. Wie seit 100 Jahren wird dort weiterhin auf nachhaltiges Wachsen gesetzt. Mit Firmenbeteiligungen, dem Ausbau an Betriebsstätten und Anlagen wird die Plansee Group zukunftssicher gestaltet. Dafür steht die Inhaberfamilie mit dem Enkel des Firmengründers und Vorsitzenden im Aufsichtsrat, Michael Schwarzkopf.Verschiedene Wissenschaftsinitiativen und das Plansee Kulturangebot runden das umfangreiche Engagement für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Region ab. Dazu gehören die Plansee Seminare, zu denen internationale Wissenschaftler seit den 1950er Jahren in die Außerfern-Region reisen, das werkseigene Blasorchester und die Plansee Konzerte mit internationalen Musikgrößen.

Sehen Sie sich hier unseren Jubiläumsfilm an oder blättern Sie durch unsere Festschrift: www.plansee.com/100